Atelier Marion Funke

März 2011

Rundschau 2011

Aus Altem Kram wird neue Kunst

Julia Zantis für die Rhein-Sieg Rundschau

Obstkisten, Brottüten und mehr: Die Künstlerin Marion Funke aus Höffen verfremdet alten Kram zu Kunstwerken.

Wenn Marion Funke Platz zum Malen braucht, lässt sie schon mal ihren Garten verschwinden. Dann rollt sie lange Schaumstoffbahnen auf dem grünen Rasen aus, kniet sich hin, krabbelt hin und her, in der einen Hand den Pinsel, in der anderen Farbtuben. Im vergangenen Sommer hat sie die Wiese hinterm Haus so in eine riesige Steinlandschaft verwandelt, die später als Kulisse für ein Theaterstück bei den Lohmarer Kulturtagen diente. „Ich probiere oft etwas Neues, um zu sehen, ob ich auch das kann“, sagt die Künstlerin. Wie gern die 41-Jährige experimentiert, lässt sich bei einer Führung durch ihr Haus in Höffen bestaunen. Die Wände hängen voller Bilder: Eines zeigt ein Porträt ihres Mannes, ein anderes Pariser Gassen und den Triumphbogen. Direkt daneben hängt eines ihrer Schriftbilder, darauf steht in großen Druckbuchstaben ein Zitat von Friedrich Schiller: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“

Marion Funke nimmt sich alle Freiheiten: Für ihre Rasterbilder unterteilt sie Leinwände in kleine Rechtecke und malt sie bunt aus. Sie würde gerne viel mehr Abstraktes malen, das funktioniere aber nicht immer: „Sobald ich den Pinsel in der Hand halte, malt er von alleine, und am Ende kommt meistens etwas Fotorealistisches dabei raus.“

Marion Funke hat sich das alles selbst beigebracht. Schon als Jugendliche griff sie immer wieder zu Pinsel und Farben. Trotzdem entschied sie sich nach dem Abitur gegen ein Kunststudium. Stattdessen ließ sie sich zur Industriekauffrau ausbilden. Zehn Jahre arbeitet sie in diesem Beruf. „Ich musste Geld verdienen.“ Von der Malerei leben? Das habe sie sich damals nicht zugetraut.

Im Jahr 2002 ziehen Funkes mit den Kindern Julia und Nils nach Paris, wo ihr Mann einen Job angenommen hat. Zwei Jahre lang lebt die Familie in Frankreich. Eine Zeit, die die Künstlerin inspiriert und ihr eine Menge Motive liefert. „Es gibt so viele wunderschöne Ecken in Paris, es muss nicht immer der Eiffelturm sein.“ Sie sammelt zum Beispiel die Brotsäcke ihres Pariser Bäckers, klebt sie auf Leinwände und besprüht sie mit Hochglanz-Lack. Als die Familie im Jahr 2004 zurück nach Höffen zieht, hängt Funke die Brotsackbilder in der Küche auf.

Im Haus stapeln sich auch leere Obstkisten, die Funke noch verarbeiten will. „Ich sammele gerne alten Kram, irgendwann habe ich die passende Idee.“ Dann wird aus dem alten Kram neue Kunst - auf ein Stück Holz etwa hat sie ein Krokodil gemalt und es ihrem Sohn geschenkt. Antike Rahmen, die ihr Freunde überlassen haben, hat sie an die Wand gehängt - ohne Bilder.

AUS MEINEM LEBEN

Mittlerweile ist die Malerei mehr als nur ein Hobby für Marion Funke. In ihren alten Job als Industriekauffrau ist sie nach der Geburt ihres Sohnes vor elf Jahren nicht mehr zurückgekehrt. Vor vier Jahren verkaufte sie zum ersten Mal einige ihrer Bilder an den Holzhausbauer Fullwood, der zwei Musterhäuser damit dekorierte. Außerdem stellt sie Bilder mit mediterranen Motiven im Restaurant „Olive“ in Weeg aus. Zwischen 200 und 600 Euro kosten die Malereien.

Ihr maigrüner, mannshoher „Buddy Bear“, den sie für den Briefdienstleister PIN gestaltete, prägt seit einiger Zeit das Berliner Stadtbild und hat es sogar auf eine Briefmarke geschafft. Zurzeit plant sie ein neues Projekt mit dem Buch-Illustrator Heiko Wrusch. Und irgendwann, so hofft Marion Funke, wird sie ihre eigenne Ausstellung eröffnen.

Rhein-Sieg Rundschau, 17.03.2011; Text: Julia Zantis, Foto: Klaus Mischka.