Atelier Marion Funke

Juli 2010

Kölner Stadt-Anzeiger 2010

Bilder, die Appetit machen

Journalist Ingo Lang kud zu einem Gespräch ein und besuchte mich in meinem Atelier...

Ingo Lang schreibt im Rhein-Sieg Anzeiger:

Die Malerin Marion Funke erschafft Bilder zur eigenen Erbauung. Mittlerweile zählen auch Freunde und Bekannte zu ihrem Kundenkreis, aber auch als Kulissenmalerin hat sie sich schon hervorgetan.

Lohmar. „Malerei“ hat Marion Funke auf dem Schild unter dem Fenster ihres Ateliers stehen. Fast ein bisschen verschämt. Bisher hat sie das mit der Malerei ja auch nicht an die große Glocke gehängt. Bilder zur eigenen Erbauung, zur Freude der Familie und von Freunden hat die 40-Jährige bisher geschaffen. In jüngster Zeit sind Aufträge aus der näheren Gegend dazugekommen. David Jacobsen und seine Ehefrau Anna etwa orderten mediterrane Motive für ihr Lokal „Olive“ in Weeg. Als sie jüngst mit Annas Bruder Nicolaos Natsios das „Aggerschlösschen“ übernahmen, schmückten sie es mit weiteren Funke-Bildern. Diesmal Landschaftsmotive aus der Umgebung und Ausflüge ins Abstrakte mit gerasterten Flächen.
Für ein Atelier wirkt das Malstübchen in Höffen geradezu aufgeräumt. Da steht die dunkelhaarige Malerin an ihrer Staffelei, verwandelt die große weiße Leinwand in eine Mittelmeerlandschaft, in eine Bucht in Südfrankreich. Dort wohnt nämlich ihre Tante. Und das Bild ist ein Geschenk der Verwandten: Sie wollen es der alten Dame schenken und beauftragten die talentierte Nichte mit der Ausführung. Sie liebt deren Bilder.

Gemalt hat die Lohmarerin schon früh. Der Leistungskurs Kunst habe sich wohltuend senkend auf ihren Notendurchschnitt im Abitur ausgewirkt, deutet sie an. Aber davon leben? Nein, da habe sie bisher nie dran gedacht. Stattdessen machte sie nach der Schule eine Lehre als Industriekauffrau. Das Malen blieb Freizeitbeschäftigung. Zudem trat die Familie für sie an die Stelle des Jobs.

Die Jahre 2002 und 2003 verbrachte Marion Funke mit ihrem Mann und ihren Kindern Julia und Nils in Paris. Ihr Mann hatte dort eine Stelle in der IT-Branche übernommen. An der Seine lernte die Malerin die Fernsehköchin Martina Kümpel kennen und gründete mit ihr das Unternehmen „Knusperfee“: Lebkuchenhäuschen im Bausatz, bei der Verzierung sind der Fantasie der Kunden keine Grenzen gesetzt.

Das sind Projekte, an denen Marion Funke Spaß hat. Sie sind Teil ihrer Selbstfindung, was die Malerei angeht. Denn von Freunden ermuntert und geradezu herausgefordert, entwickelt sie langsam das nötige Selbstbewusstsein, dass ihre Bilder nicht nur Freude in der Verwandtschaft verbreiten sollen, sondern auch Geld einbringen. „Ich will davon leben können“, sagt sie heute.

Bei dem Freilicht-Spektakel „Ronja Räubertochter“ zum Auftakt der „Lohmarer Kulturtage“ in der Naturschule Aggerbogen wurde die 40-Jährige sogar als Kulissenmalerin angefragt - eine Bitte, die Marion Funke einfach nicht abschlagen wollte und konnte.

Bei der Auftragsmalerei fürs „Aggerschlösschen“ machte die Malerin einen ersten Ausflug ins Abstrakte. Heraus kamen Farbraster, entstanden aus dem handwerklichen Trick, Vorlagen für die Motive in kleine Rechtecke zu unterteilen, um die Proportionen der Wirklichkeit im Bild zu wahren. Bisher entstehen in der Geborgenheit ihres Ateliers vorwiegend Landschaftsbilder, Stillleben und Naturaufnahmen.

Mehr matschen

Trotz aller Vorsätze, „endlich mal mehr zu matschen“ entwickle der Pinsel geradezu Eigenleben, erzählt sie. Am Ende komme nicht selten dann doch etwas Fotorealistisches heraus.
Getrieben werde sie dazu von dem Impuls, ausprobieren zu müssen, „ob ich das auch kann“, bekennt die Autodidaktin. Wie lässt sich zum Beispiel eine Pusteblume so darzustellen, als warte sie nur auf den Windstoß? Oder die angestaubten Weinflaschen mit den edlen Tropfen darin. Da wächst beim Betrachten prompt die Sehnsucht nach dem Korkenzieher.

Bild: Ingo Lang.
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